Kleiner Stern
Vor Jahren, als blutjunge Schülerin, habe ich an einem Schüleraustausch teilgenommen. Frankophil wie ich -nach wie vor- bin, führte der mich nach Frankreich. Um genauer zu sein auf eine französische Kolonie.
Fernab der Heimat saß ich abends mit meiner damaligen Freundin im nachtwarmen Sand, lauschte den Gesängen der französichen Gastgeber in kreolischer Sprache und schaute in den Himmel. Einen dunklen Nachthimmel durchwirkt mit tausenden und abertausenden funkelnden Sternen, wie ich sie bisher nie (und danach nie wieder) in meinem Leben gesehen habe.
Entspannt von dem Rauschen des Meeres, der Wärme des Lagerfeuers und dem Gesang beobachteten wir, wie eine Sternschnuppe aus dem funkelnden Schwarz des Himmels stürzte. Und wir wünschten uns etwas. Kichernd. Und sehr geheimnisvoll. Ganz so, wie Jugendliche das eben tun.
An diesem Abend fielen die Sterne reihenweise. Es sah aus, als wollten sie sich wie die Lemminge in das nächtliche Schwarz des Meeres stürzen. Einer nach dem anderen fiel herab. Begleitet von unseren Wünschen und Träumen und Hoffnungen.
Zu vorgerückter Stunde fielen uns keine Wünsche mehr ein, welche die herabfallenden Sternlein uns noch erfüllen könnten. Und so verlagerten wir uns irgendwann auf Absurditäten, die nie und nimmer erfüllbar werden würden. Nicht einmal von der dicksten Sternschnuppe überhaupt.
Wie ich gerade eben auf den sommerlich warmen Balkon meiner Wohnng trete umgibt mich tiefblaue Nacht. Durchwirkt mit zahllosen Lichtpunkten. Ein für Berlin seltener Anblick. Meist ist es in dieser Stadt für Sterne viel zu hell. Oder zu grau bewölkt. Oder beides.
So stehe ich also barfüßig und voller Staunen auf dem Balkon, den Kopf im Nacken. Und träume von Sternschnuppen, bei denen ich mir etwas wünschen kann. Aber nichts passiert. Die Sterne sind heute wie an ihrem Platz festgeklebt. Ich atme die frühsommerlich warme Luft tief ein und genieße den seltenen Anblick.
Gerade als ich mich losreißen möchte, da habe ich das Gefühl, dass mir ein besonders hellgrün leuchtender Stern zublinkt. Leise. Kaum merkbar. Und in mir höre ich ganz entfernt, kaum merklich das leise Kichern, das mir die letzten Tage und Wochen gefehlt hat und mir fortan immer fehlen wird.
Traurig drehe ich mich der Tür ins Innere zu. Aber ich bin mir sicher, dass da oben nun ein Sternchen wacht. Und aufpasst. Und vielleicht irgendwann einmal einen etwas locker sitzenden Himmelskörper vom Himmel schubst. Während es leise vor sich hinkichert.
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chat noir / Website (25.5.09 23:36) Ich höre das kichern auch. Jeden Tag. Sie fehlt einfach. |
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winkyli (26.5.09 08:06) Halte diese Augenblicke fest, denn sie sind dein Leben. |
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Maren.Thunert / Website (26.5.09 19:34) Du weißt schon, irgendwo wartet ein kleines, vielleicht noch nicht geborenes Mai-Kätzchen auf Dich. Und sie wird Dich finden. So wie sich alles findet im Leben. |





