Musik, music, musique!

Ich war 15, vielleicht auch 16. Und traf diesen gut aussehenden, dunkelhaarigen Lockenkopf, den meine Freundin auf einer Party kennengelernt hatte und mit dem sie plante, ihr erstes Mal zu verleben.

Wir standen uns gegenüber. Er hatte tiefbraune Augen, ein Glitzern darin, dass ich noch nie vorher bei einem Jungen gesehen hatte und ein unverschämtes Grinsen auf den Lippen. "Schöne Uhr, die du da hast!" Das waren seine ersten Worte, die er mit mir wechselte. Er trug die gleiche Armbanduhr wie ich und wir lachten uns an.

Seitdem begrüßten wir uns immer mit einem freundlichen Aufeinanderklacken der Uhrengläser und wie sich bald herausstellte, hatten wir auch in anderen Dingen einen sehr ähnlichen Geschmack. Bei der Musik zum Beispiel.

Abseits vom Mainstream hörten wir mehr oder minder bekannte Bands oder Sänger. Ehrliche, gut gemachte Musik, die einem ein Gefühlvon grenzenloser Freiheit verschafft. Stundenlang tratschten wir über die neusten Tapes, tauschten Bänder, diskutierten, hörten still zu. Und wurden irgendwann ein Paar. Aber das ist eine andere Geschichte...

Ja, dieser Typ hat mich geprägt! Noch heute ist Musik ein wichtiger Teil meines Lebens. Sie drückt aus, was in mir vorgeht. Sie ist mein Sprachrohr der tiefsten Gefühle. Sie ist Antrieb und Beruhigung zugleich, gibt mir Freiheit und Bewegung vor. In keinem Fall ist sie Stillstand. Sie gibt mir Kraft. Fördert meine Gedanken. Oder unterstreicht etwas in meinem Unterbewusstsein, dass ich selbst noch gar nicht bewusst wahrgenommen habe. Sie hat in meinem emotionalen Bereich immer Recht.

Manchmal kann ich nicht mit ihr. Dann nervt sie mich und ich schalte sie mit einem Meckern ab. Aber ohne sie geht es dann auch nicht. Und so durchforste ich rastlos Plattenläden nach neuen, bewegenden Tönen.

Bestimmte Erinnerungen sind in meinem Hirn untrennbar mit bestimmten Liedern verknüpft. Treffe ich Menschen nach langer Zeit wieder, summe ich oft ein Lied, dass mich mit diesem Menschen verbindet. Diese akkustischen Erinnerungen sind bei mir fast so stark ausgeprägt, wie die über den Geruchssinn.

Es gibt vieles, auf dass ich verzichten könnte. Auf meine Musik definitiv nicht. Ich schleppe sie bei jeder Reise mit mir herum. Heute habe ich eine alte Platte wiedergefunden, die ich schon Jahre nicht mehr gehört habe. Ich lausche jder Note gespannt. Sinne über vergangene Momente und freue mich.

Ich hoffe, dass auch Sie da draußen heute (wenigstens) ein Lied finden, dass Sie so schön finden, dass es Sie diesen Tag begleiten darf, dass Sie durch den Tag treibt und dass in ihrem Kopf singt und summt, bis Sie glücklich einschlafen! Und wenn Sie eins haben, dann denken Sie mal an Moi!

22.6.06 12:51

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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


nberlin / Website (22.6.06 15:00)
Musik ist mein Leben, Musik ist Gefühl, was ist ein Leben ohne Gefühl? Mein Plattenspieler ist leider kaputt, so kann ich meine Schätze zur Zeit leider nicht hören, aber schön das deiner funktioniert. Das mit dem Unterbewusstsein ist mir auch schon aufgefallen ich will unbedingt irgendeinen Song hören und leg los mit mitsingen und Co. und plötzlich merke ich das der Text oder die Melodie mir was sagen will...das ich unterbewusst etwas ausdrücke was mich beschäftigt...


AndiBerlin / Website (22.6.06 21:04)
Und gibt es auch Titel und Interpreten als Beispiel?


Toujours-Moi / Website (24.6.06 20:31)
Im Moment höre ich Patrice rauf und runter und tanze zu "Party" durch die Wohnung...