Fleck-weg-Mittel

Bei meiner jährlichen,  dermatologischen Gesamtüberprüfung zog der Arzt meines Vertrauens sorgenvoll die Brauen über seinem Lupenmonokel zusammen. Finsterlich, sozusagen. Da seien zwei Muttermale, die ihm Sorge bereiteten, sagte er mit ernster Mine. Und ich solle einen Termin vereinbaren - denn der Fleck müsse weg.

Wenige Wochen später lag ich also in voller Körperlänge auf seiner Liege. Mit bis zum Hals klopfenden Herzen und Aufregung. Die Betäubungsspritze raubte mir den Atem, so sehr brannte sie. Und mich dem Schicksal ergebend erlaubte ich meinem Geist das Entfliegen in andere Gefilde.

Zwanzig Minuten später, zwei Leberflecke ärmer aber zwei chirurgische Knoten in der Haut reicher trat ich den Heimweg an. Unter Drogen stehend. Fertig mit der Welt. So sackte ich daheim in einen friedlichen Schlaf.

Nun bin ich ja schon neugierig. Und wahrscheinlich liegt es in einer ausgelassenen, frühkindlichen Phase. Aber wenn an mir etwas passiert, dann muss ich genau gucken, was da los ist. Also verrenkte ich mich in voyeuristischer Absicht kunstvoll vor dem Spiegel, um einen Blick auf Pflaster und darunter befindlicher Wunde zu erhaschen.

Aber da war nichts. Kein Pflaster. Keine Wunde. Vielmehr war da noch was. Nämlich der Leberfleck, der mir ja weggenommen werden sollte...Dafür prankte auf dem rechten Schulterblatt ein Pflaster und wie ich durch sanften Drucktest bemerkte, darunter auch eine Wunde. Und wieder schlug mir mein Herz bis an den Hals!

Beim freitäglichen Verbandwechsel sprach ich den Arzt darauf an. Der wurde zartrosa. Meinte dann aber, der andere Fleck hätte auch weggemusst. Dringend. Und ich solle für den anderen Fleck mal ruhig...ja, genau...einen Termin machen.

Nachdenklich trat ich meinen Heimweg an. Und mittlerweile bin ich ja froh, dass es "nur" der Fleck war. Und nicht ein Zahn. Oder eine Amputation des Arms. Nicht auszudenken...

14.11.08 15:30

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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Kerstin / Website (16.11.08 21:12)
Heh, so Geschichten machen mir Angst!


Barbara (17.11.08 10:59)
Gordon meinte, du sollst wirklich ein Buch schreiben.